Kunstprojekt "If you're not on line, you're really all alone"

 

 

Das Projekt der Berliner Künstlerin Lidia Beleninova beinhaltet zwei unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema Internet und seine Rolle im heutigen Leben.

 

Fünf Stillleben mit Affenschädel in Kohle gezeichnet, setzen die Tradition der Stilllebenmalerei des 17. Jahrhunderts fort. Aber zu der Symbolik des klassischen Vanitasstilllebens kommen neue Inhalte hinzu. Moderne Gegenstände wie ein Laptop oder IPhone stellen nicht nur irdische Luxusobjekte dar, sie sind ein Verweis auf eine neue Lebensweise, die mittlerweile ohne Internet nicht vorstellbar ist. Stets on line zu sein gibt den Menschen die Illusion ein ereignisreiches Leben zu führen, während der Mensch in Wirklichkeit z. B. nur einsam an seinem Tisch sitzt. Die Flucht ins Netz und die Angst vor dem Alleinsein zeugt von einer inneren Leere, trägt zur geistigen Abstumpfung bei. Als Einspielung darauf ersetzt in den grafischen Arbeiten der Affenschädel den des Homo sapiens sapiens.

 

Der zweite Teil des Gesamtprojekts sind Assemblagen, die aus diversen Fundstücken und defekten Mobilfunkgeräten entstanden sind.Gesammelte Abfallprodukte des überflüssigen Konsums bekommen eine neu Verwendung. Es ist eine Art Recycling.

 

 

Die Objekte thematisieren auf eine ironischen Art und Weise verstärkt, die Bedeutung des Mobiltelephons für den modernen Menschen. Zum Beispiel die Arbeit "Personal Jesus" zeigt ein IPhone mit darauf angebrachtem Kreuz, wodurch das Mobiltelephon, das praktisch das ganze Leben beinhaltet, zu einem sakralem Gegenstand wird.

 

Lucy Müller, 2015 Berlin

 

 

 

 

Entgleiten

 

 

Sehnsucht.Ergreifende Sehnsucht nach ungewissem Etwas. Etwas, das sich nicht in Worte fassen lässt und Gestalt eines Bildes annimmt. Chaotischer Wildwuchs der Gräser und kalter Rhythmus der Bahngleisen bilden den Spannungsfeld grafischer Arbeiten. Freude an der Fortbewegung, Fernweh, unterschwellige Angst vor der Zukunft gehen auf den Betrachter über.

 

Dämmerung zerfrisst die nüchterne Klarheit der präzisen Linien und lässt die zum Teil verschwinden. Wohin geht die Reise? Endlosigkeit des Weges schwebt uns vor. Wir erinnern uns nicht mehr an den Anfang und möchten an das Ende nicht denken. Doch die Richtung ist festgelegt - die Gleise bestimmen den Weg. Die Endstation ist längst bekannt. Ob es Anschlüsmöglichkeiten geben wird - bleibt offen.

 

Lidia Beleninova, 2014

 

 

 

Nacht

 

Die Nacht ist oft die Zeit und das Thema meiner Arbeit. Ich respektiere die Nacht - sie hat Macht über Zeit und Raum. Im laufe der Nacht bleibt das Licht der Stadt immer das gleiche, während des Tages ändert es sich ständig und macht den Zeitverlauf deutlicher. Die Nacht lässt die Zeit erstarren. Der sichtbare Raum wird durch künstlich erschaffene Lichtpunkte festgelegt, der Rest bleibt im Dunkeln verborgen. Die gewohnte Umgebung wirkt anderes.

 

Ich schaue durch zerkratzte Fensterscheibe in ein leerstehendes Lokals hinein. Die Tür zum neben Zimmer steht offen, das Licht der Laterne liegt an der Wand. Die Straße spiegelt sich in der Glasscheibe. Die Nacht lässt das Innen und Außen verschmelzen.

 

Die Zerrissenheit zwischen Geist und Körper, in die jeder Mensch hinein geboren wird und mit der er zurechtkommen muss, macht mir zu schaffen. Seltene Augenblicke der vollkommener Einheit weiß ich zu schätzen. Wenn ich den nächtlichen Spielen mit Grenzen zwischen Innen und Außen zusehe, bin ich der Zeuge eines sakramentalen Geschehnisses.

 

Lidia Beleninova, 2013