Gedichtband "Beinah Poesie" 

   

Auflage 2

 

 

Beinah Poesie ist kein typischer Gedichtband. Der Autorin geht es hier viel mehr um zusammenleben vom Bild und Wort. Inspiriert von Leonard Cohens "Buch der Sehnsüchte" fängt bildende Künstlerin Lidia Beleninova, gebürtig aus Moskau, ihre oft melancholisch-poetische Wortbeobachtungen zu zeichnen.

Das Buch ist thematisch in vier Kapitel aufgeteilt: Nachtwache, Blues total, fast Liebesgedichte und noch Meer. Die Melancholie des ersten Kapitels wächst und steigert sich fast zur Hoffnungslosigkeit im "Blues total". Das Leben in der Großstadt ist oft eine Zumutung: "...Tag und Nacht, ich bin müde ein Mensch zu sein, schlechte Träume, gute Vorsätze, lasst mich in Ruhe!“ und dazu die Zeichnung von einem zerknitterten Kissen.

Im Original sind Texte und Zeichnungen auf einem vergilbtem, mit Perforation versehenem Papier zu sehen, was dem Ganzen einen zeitlosen Touch verleiht. Leider geht diese Besonderheit im Scann und Druck Verfahren verloren. Jedes Blatt könnte eigentlich für sich stehen. Doch die Buchform bringt auch neue Möglichkeiten mit sich: es entstehen Beziehungen zwischen zwei Nachbargedichten. Oft wird Gedanke aus einem Gedicht aufgegriffen und in dem nächstem weitergeführt. Ein Bild auf der linken Seite lässt den Text nebenan im neuen Licht entfalten.

 

Die Illustrationen sind gegenständliche, in Ästhetik von Kaltnadelradierungen ausgeführte Grafiken, die sich meistens auf ein winziges Detail des Gedichtes beziehen z.B. ein alltägliches Gegenstand. Alle Texte sind per Hand in Druckbuchstaben geschrieben, so entsteht viel mehr eine intime Verbindung zum Bild - man erkennt die Handschrift. Das verschafft den Blättern eine sehr persönliche Atmosphäre und der Leser/ Betrachter, kann sich leicht mit der Protagonistin identifizieren. Nach Lidia Beleninovas Auffassung heißt Künstlersein nicht dem Alltag zu entfliehen, sondern viel mehr dem Alltag eine besondere Rolle einzuräumen, da er ohnehin den größten Teil unseres Lebens beansprucht.

Tobias Wanger, 2016

 

 

 

 

 

 


                                      

 

"If you're not online you're really all alone" 2.6 X 3.6 M

 

Arbeit für den Projekt "Kunst an der Plakatwand"

 Ausstellung: "d'Accord Kunst-Westweg'15"

Klangpfad Neureut, Bärenweg